Das Duell der Giganten in Wimbledon

Tennis Wimbledon
Tennis: © lassedesignen – Fotolia.com
Ich war am 06.07.2008 live Zeuge eines der spektakulärsten Finals auf dem „heiligen Rasen“ in Wimbledon, das in der langen und traditionsreichen Geschichte des Tennissports gespielt wurde. Die beiden damaligen und auch noch aktuellen Giganten Roger Federer und Rafael Nadal standen sich nach zwei Wochen London im Endspiel gegenüber. Beide hatten zwischenzeitlich einige Mühe, den einen oder anderen Vorrundengegner aus dem Weg zu räumen. Aber letztlich standen sich hier nun die Nummer 1 und die Nummer 2 der Tenniswelt gegenüber. Mit mir hofften 15’000 Zuschauer auf dem Center Court auf ein spannendes und hochklassiges Match. Und es wurde ein verrücktes Endspiel, mit allem, was in good old England im Grunde immer dazu gehört: Regen.

Spektakulär, begeisternd – und dann kam der Regen

Im ersten Satz legte Rafael Nadal los wie die Feuerwehr. Er fegte über den Center Court und brachte jeden noch so platziert gespielten Ball seines ewigen Kontrahenten Federer irgendwie über das Netz zurück. Es entwickelte sich von Beginn an ein hochklassiges Match, das die Zuschauer verzückte und trotz aller britischer Zurückhaltung von den Sitzen riss. Unfassbare Returns, eine ebenso unglaubliche Laufbereitschaft zeichnete den spanischen Matadoren zu diesem Zeitpunkt aus. Doch auch der Schweizer, ansonsten die Ruhe selbst, zeigte eine mehr als brillante Vorstellung und sorgte zeitweise für regelrechte Beifallsstürme. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich in keinster Weise ab, wer der neue König von Wimbledon werden sollte. Nadal nutzt schließlich seinen dritten Satzball zum 6:4, nachdem er einmal das Aufschlagsspiel von Federer durchbrechen konnte.

Der zweite Satz verlief ähnlich spannend. Der ungekrönte Rasen-König Roger Federer geriet bei seinem zweiten Aufschlagsspiel ins Hintertreffen. Doch er kämpfte sich wieder ran und stand kurz vor einem Rebreak, als dem Spanier ein sagenhafter Rückhandpassierball aus höchster Notlage gelang. Ich hatte so etwas bislang noch nicht gesehen. Offensichtlich geschockt von dieser phänomenalen Leistung verlor der Schweizer auch den zweiten Satz mit 4:6. Nadal dominierte auch zu Beginn des dritten Satzes seine Aufschlagspiele, doch Federer konterte mit zahlreichen Assen bei seinem Aufschlag, so dass alles in Richtung Tie Break hinauslief. Doch wie in all den Jahren war auch heute auf den Wettergott Verlass. Es begann zu regnen und das Match wurde unterbrochen. Wem brachte die Pause nun einen Vorteil? Spannung pur als die beiden Giganten wieder den Rasen betraten. Im Tie Break konnte sich Federer letztlich knapp mit 7:5 durchsetzen und verkürzte somit nach Sätzen auf 1:2.

Im dritten Satz wurde es nicht nur spannender, sondern zugleich auch noch spektakulärer. Die Zuschauer fanden kaum noch Attribute, um das unglaubliche Spiel beider Akteure passend zu umschreiben. Das Ende des Matchs nahte, Nadal hatte zwei Matchbälle im Tie Break. Doch mit seiner ganzen Klasse und Souveränität wehrte Federer beide ab und holte sich mit einem Wahnsinnsreturn den 2:2 Satzausgleich und streckte seine Faust gen Himmel.

Der fünfte Satz

Alles, aber auch wirklich alles legten beide Spieler nun in den fünften Satz. Es waren nun bereits über fünf Stunden gespielt, als die Champions beim Stand von 2:2 erneut durch den Regen gebremst wurden. Eine zusätzliche nervliche Belastung? Wer weiß es schon. Denn danach ging es in dem gleichen atemberaubenden Tempo über den sehr in Mitleidenschaft gezogenen Rasen des Center Courts. 8:7 für Nadal und 40:15 bei eigenem Aufschlag. Ein Ass. Spiel, Satz und Sieg Nadal. Und dies zu einem Zeitpunkt, als sich die Dunkelheit bereits über das Stadion legte.

Ein Wahnsinnspiel, das bis zu diesem Zeitpunkt als das längste Finale in der langen Tradition von Wimbledon eingehen sollte, war zu Ende. Famos, epochal, unfassbar – das waren die Beschreibungen die zu diesem einmaligen Event wahrhaft passten. Einziger Wehrmutstropfen war das Ende, vielleicht war dieses wegen der einziehenden Dunkelheit und dem fehlenden Licht nicht mehr regulär.

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