Dinner in the Dark – ein Genuss bei vollständiger Dunkelheit

Dinner in the dark
Dinner in the dark
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Wie es bei uns in der Familie üblich ist, suchen die Angehörigen zu jedem Anlass ein außergewöhnliches Geschenk. Nichts von den öden und langweiligen Präsenten, die oftmals den Besitzer wechseln. Anlässlich meines Geburtstages überreichten mir unsere Kinder ein Geschenk, worunter ich mir zunächst nicht so recht etwas vorstellen konnte. Ein Dinner für zwei Personen in einem Restaurant namens „Finster“ in Essen. Der Name ist hier jedoch Programm. Das Essen wird von blinden Menschen oder Mitarbeitern mit einer erheblichen Sehschwäche serviert, worauf die Einnahme des Mahls sowie auch der Getränke in vollständiger Dunkelheit vorgenommen werden musste. Gespannt und völlig unbedarft, was uns nun hier erwarten würde, begaben sich meine Frau und ich zu einem außergewöhnlichen Event, zum Dinner in the Dark – ein Genuss bei vollständiger Dunkelheit.

Die Idee des ungewöhnlichen Erlebnisses

Die Idee zu diesem spektakulären Event ist, dass die Gäste einmal am eigenen Leib erleben sollen, wie es sich anfühlt, wenn man außer der Dunkelheit nichts erkennen kann. Alle anderen Sinne sind hierbei aufs Höchste angeregt. Alle Geräusche, jeder Geruch und jede Bewegung wird extremer wahrgenommen und zu einem Erlebnis der besonderen Art.

Vom Licht in die absolute Finsternis

In einem Vorraum wurden wir von den Mitarbeitern freudig empfangen. Nachdem man uns nun den Gedanken und die Hintergründe dieses Szenario erläutert hatten, konnten wir bei Licht unsere Bestellung auswählen. Ich wählte ein 3 – Gänge Menü, bestehend aus einer Pfifferling Creme Suppe, Hirschsteaks mit Klößen und Rotkraut sowie als Nachspeise eine Crème brûlée. Meine Ehefrau entschied sich für ein Geflügel Menü. Als Vorspeise wählte sie eine scharfe Entensuppe, der Hauptgang bestand aus Putenbrust im Krustenmantel mit Kroketten und als Nachtisch sollte Herrencreme serviert werden. Als Getränk wählte ich eine kleine Flasche Spätburgunder, während sich die Gattin für halbtrockenen Grauburgunder entschied. Für etwa zweieinhalb Stunden war dieses nun die letzte Aktion, in denen wir das Licht genießen konnten. Nachdem wir alle Lichtquellen wie Handy und Feuerzeuge abgeben mussten, wurden wir nun in einen absolut dunklen Raum an unseren Tisch geführt.

Sinnreiches Vergnügen

Hier saß bereits ein Ehepaar, zumindest vermuteten wir dieses, das genauso gespannt war wie wir. Selbst auf diese Entfernung konnten wir die Personen nicht erkennen, sondern nur anhand von Geräuschen und Stimmen wahrnehmen. Wir ertasteten, dass das Besteck bereits an seinem Platz lag. Nun erschien, zumindest für unsere nicht so geschulten Ohren, ein Kellner wie aus dem Nichts und servierte vorab den Wein. Diesen mussten wir nun, ohne es zu erkennen, eigenhändig in die Gläser füllen. Dieser Vorgang war schon mal ein besonderes Highlight, da wir zunächst einmal die Füllhöhe des Glases ausloten mussten. Natürlich gingen einige Tropfen daneben. Nun erfolgte die Vorspeise. Nachdem ich es irgendwie geschafft hatte, den Löffel in den Teller zu tauchen und wieder an den Mund zu führen, erlebte ich einen wahrhaft edlen Geschmack. Vielleicht lag es daran, dass nun der Geschmackssinn besonders beansprucht wurde. Meine Frau schien leicht verzweifelt. War ihr Löffel und voll oder nicht? Ist es überhaupt das, was bestellt wurde? Völlig egal, es mundete einfach hervorragend. Der Hauptgang war einfach nur ein Genuss, aber auch ein spannendes Erlebnis zugleich. Allein beim Zerteilen des Fleischs und der Klöße entstanden doch einige Probleme, die aber der Köstlichkeit des Mahls keinen Abbruch taten. Zum Abschluss kämpften wir uns durch die Nachspeisen, die einen fantastischen Eindruck hinterließen. Nach gut zwei Stunden, in denen wir nicht nur hervorragend gespeist hatten, sondern nun auch erleben konnten, wie sich Menschen mit Sehbehinderungen in ihrer Umgebung zurecht finden müssen, wurden wir wieder in die „normale“ Umwelt entlassen. Ein riesiger Event. Lehrreich und sinnreich zugleich.

3 Gedanken zu „Dinner in the Dark – ein Genuss bei vollständiger Dunkelheit“

  1. Ich habe bereits viel vom Dinner in the Dark gehört, aber noch nicht das dort blinde bis Sehbehinderte Menschen dort das Essen servieren. Das stelle ich mir sehr interessant vor. Ich wohne in München also zu weit entfernt von Essen für ein Essen, aber ich werde so ein Lokal in München suchen probieren und euch anschließend wieder berichten.

  2. Ich habe Karten für mich und meine Freundin gebucht und bin sehr gespannt auf dieses außergewöhnliche Dinner und hoffe das wir kulinarisch auf unsere Kosten kommen.

  3. Habe nun auch schon öfters von solchen „Finster“-Restaurants gehört,
    bisher aber noch nie ausprobiert.
    Wird wohl höchste Zeit!
    Kann mir gut vorstellen, dass das Essen dann noch „besser“ schmeckt,
    wenn man sich tatsächlich auf den Geschmackssinn konzentrieren kann.

    Ganz liebe Grüße!

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