The Wall – Ein perfekt inszeniertes Meisterwerk

Um es mit den Worten von Wolfgang Niedecken (BAP) zu sagen: „Verdammt lang her“! Genau genommen 32 Jahre. Im Februar des Jahres 1981 hatte ich die Gelegenheit, live an dem damals wohl größten Musikspektakel der Welt teilzunehmen. Es avancierte zu einem Lifestyleerlebnis pur. Pink Floyd gastierten in der Dortmunder Westfalenhalle, um ihr aufwendiges und spektakuläres Album „The Wall“ nach Europa zu transportieren. Ich war mitten drin und erlebte ein perfekt inszeniertes Meisterwerk, dass es in dieser Form bislang nicht gegeben hatte.
Ich fand mich bereits eine Woche vor dem ersten der sieben Auftritte der Band an der Halle ein. Was sich hier abspielte, lässt sich kaum in Worte fassen. Ein ganzer Fuhrpark von schwer beladenen LKW’s fuhr vor, um das Bühnenwerk und das Equipment der Band anzuliefern. Unzählige Helfer wuselten wie quirlige Ameisen durch die Gegend, um die gigantische Mauer aus 250 Steinen, die eine Höhe von 14 Metern und eine Breite von 55 Metern erreichen sollte, aufzubauen. Gott sei Dank standen ihnen hydraulische Hebebühnen und ferngesteuerte Kräne beim Aufbau zur Verfügung.

Das Konzert beginnt

Die Dortmunder Westfalenhalle war natürlich restlos ausverkauft. Das Publikum war durch und durch international. Ich selbst verspürte nun doch eine gewisse Aufregung und Anspannung, war es doch mein erstes Live Konzert mit Pink Floyd. Die Mauer (The Wall) befand sich nicht an einem Ende der Halle, sondern trennte dieses durch ihren Aufbau etwa in der Mitte. Dazwischen befand sich ein schwarzer Vorhang riesigen Ausmaßes. Die Hallendecke war mit zahlreichen Fahnen geschmückt, die das Symbol des Albums trugen. Zudem erkannte ich dort einen britischen Jagdbomber, der wohl im Verlauf zum Einsatz kommen würde. Ich hatte einen perfekten Platz erwischt und hoffte nun, dass es bald losgehen würde.
Urplötzlich wurde es finster in der Halle. Wie aus dem Nichts waren vier Musiker auf der Bühne erschienen, allen voran Snowy White, einer der besten Gitarristen der Welt. Die Hauptakteure, das wusste ich von den Erzählungen andrer Floyd Fans, würden später dazu stoßen.
Eine gigantische Feuersäule stieg auf, das schwarze Tuch fiel herab und der Jagdbomber setzte sich in Bewegung. Er zerschellte an einem Teil der Mauer und riss einige Steine mit in die Tiefe. Ein unglaublicher Effekt. Nun begann die absolute Show. Alle Anwesenden waren Perfektionisten an ihren Instrumenten. Die Bühne wurde von bemannten Lichtgondeln beleuchtet, was dem Ganzen einen weiteren außergewöhnlichen Effekt verlieh.
Die monströse Show war in drei Teile konzipiert. Nach einer äußerst gelungen musikalischen und schauspielerischen Höchstleistung, in der der Teacher in Form einer Riesenmarionette den wohl nachhaltigsten Eindruck hinterließ, setzte der Chef Roger Waters höchstpersönlich den letzte Stein zu „Good Bye Cruel World“ ein.

Der zweite und dritte Teil

Nach einer Pause von etwa einer halben Stunde fand das Spektakel seine Fortsetzung. Roger Waters und David Gilmour waren die einzigen, die für das rasende Publikum sichtbar wurden. Der Rest der Band sowie die Gastmusiker zelebrierten ihre Kunst hinter einem schweren, dunklen Vorhang. Im weiteren Verlauf brillierten alle Musiker und die Effekte wurden noch gigantischer. Das Ende wurde mit „The Trail“ eingeläutet, als die Mauer mit einem Riesengetöse zum Einsturz gebracht wurde. Das Publikum tobte und tosender Applaus brach heraus. Nach drei Stunden voller Power ging ein gigantisches Spektakel zu Ende, das mich bis in die heutige Zeit nachhaltig begleitet.

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